saudade.

E de repente o ano está acabando já. 
Cheguei aqui ontem, não cheguei?
Mas como é que se diz? Os momentos que a gente adora mais do que nada,sempre passam tão rápido.
Rápido demais. 
E aqui estou, cheguei ao fim do meu ano no Brasil.
360 dias passarem. Dias cheios de vida.
Passei os dias trabalhando e viajando.
Comemorando e esperando. Comendo e bebendo, dormindo e correndo. 
Aprendendo e ensinando. Rindo. 
Mas além de tudo amando e sendo amada. 

Deixando agora – de coração partido- minha querida família brasileira naquele país fascinante, apenas uma coisa me conforta. A esperança de voltar pra cá em breve.

Estarei com tanta saudade. Amo vocês e sempre amarei.


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Schatztruhe

Und auf einmal bin ich aufgewacht,
habe auf den Kalender geschaut und festgestellt wie schnell die Zeit vergangen ist.
Kostbare Zeit. Und ich frage mich wo sind die Tage hin? Wo sind sie hin?

 Und ich erinner mich an ein Gestern, an dem wir sagten wie wenig Monate uns blieben

und staunten und staunten und es nicht glauben konnten.

Und ich sehe mich um und kann mir nicht vorstellen zu gehen. Und ich sehe zurueck und es kommt mir alles so surreal vor. Und ich schau auf meine Haende und sehe den Sand wie die Tage -Stunden, Minuten- foermlich durch meine Finger fliessen. Rieselnd zu Boden fallend.

Und es bricht mir mein Herz wenn ich daran denke dass es bald soweit ist. Es bricht mir mein Herz entzwei wenn ich daran denke wen ich lasse, wenn ich fuerchte wer mich vergessen wird. 

Doch sie stützt meinen Kopf, die Freude auf Euch.
Und sie haelt meine Hand die Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Und sie schenkt mir ein Lachen, die liebe Erinnerung.

Mit einer Schatztruhe unter dem Arm.

Meu ideal seria sorrir…

com tanto carinho e amor, sorrir de tanta alegria que aquela menina da favela Timbauva que chega ao projeto todo dia de cara mais triste quando visse meu sorriso esquecesse. 
Esquecesse de tudo que a faz tão triste. Que ela esquecesse a violência na casa dela, as lagrimas da mamãe, o grito, as tapas, a raiva do papai. Que ela não se lembrasse mais dos olhos roxos, dos ossos quebrados.


Que aquela menina pudesse ser criança de novo, pudesse voltar aos dias da felicidade e alegria, aos dias sem medo eterno. Que ela pudesse voltar ao tempo de chegar a casa rindo não esperando a achar a mãe dela machucado no chão. E não tivesse que cuidar da mãe dela, tirar o sangue do rosto, lavar os braços dela, tratar a ferida.

Que os pais dela quando vissem a menina sorrindo se despedissem da fúria na vida deles. Que eles não ficassem mais brabos, não brigassem mais nada. Que eles esquecessem as batidas dos pais deles.

Que cada pessoa que encontrasse aquela família ficasse feliz e até não soubesse mais nada da violência, mas tudo do amor e felicidade. E que cada criança na Timbauva pudesse ser criança só e pedir da ajuda da mãe dela de dia a dia e que as mães cuidassem dos filhos delas e limpassem os rostos deles antes de dormir.

E que aquele efeito se espalhasse pela favela inteira e chegasse a todas as favelas do Brasil. Até que um dia não tivesse mais violência nas casas dos pobres e eles tivessem menos um problema na vida deles.

E eu ficasse sorrindo.

Mein Ideal waere zu strahlen
mit soviel Zaertlichkeit und Liebe, vor soviel Freude, dass das kleine Maedchen aus der Favela Timbauva, die jeden Tag mit dem traurigsten Gesicht der Welt ins Projekt kommt, dass dieses Maedchen, wenn sie mein Straheln sehen wuerde, vergessen wuerde.

Dass sie all das vergessen wuerde, was sie so traurig macht. Dass sie die Gewalt in ihrem Zuhause, die Traenen der Mutter, das Schreien, die Schlaege, den Zorn des Vaters einfach vergessen wuerde. Dass sie sich nicht mehr erinnern wuerde an die blaugeschlagenen Augen, die gebrochenen Knochen.

Dass dieses Maedchen wieder Kind sein koennte, dass sie zurueckkehren koennte zu den Tagen der Zufriedenheit und kindlichen Freude, zu den angstlosen Tagen. Dass sie zurueckkehren koennte in die Zeit, in der sie nach der Schule nach Hause kam, lachend, und absolut nicht erwartete die Mutter verletzt auf dem Fussboden zu finden. In die Zeit, in der sie sich nicht kuemmern musste um die Mama, kein Blut aus dem Gesicht wischen, keine verschmutzen Arme waschen, die Verletzte nicht behandeln musste.

Dass ihre Eltern, wenn sie das laechelnde Maedchen sehen wuerden, sich fuer immer verabschieden wuerden von der Wut in ihrem Leben. Dass sie niemals wieder wuetend werden, niemals wieder streiten wuerden. Und dass sie die Schlaege ihrer eigenen Eltern vergessen wuerden.

Dass jede Person, die die Familie auf der Strasse treffen, gluecklich werden wuerden und von jetzt auf gleich nichts mehr wuessten von Gewalt, aber alles von Liebe und Freude. Und dass jedes Kind in Timbauva einfach nur Kind sein und seine Mutter jeden Tag um ihre Hilfe bitten koennte und dass ihre Muetter sich um die Kinder kuemmern und ihnen vor dem Schlafengehen die Gesichter waschen wuerden.

Und dass dieser Effekt sich ausbreiten wuerde in der ganzen Favela und bis in jede Favela Brasiliens gelangen wuerde.  Bis dass es eines Tages keine Gewalt mehr gaebe in den Haeusern und Huetten der Armen und sie ein Problem weniger haetten in ihrem Leben.

Und ich wuerde nicht aufhoeren zu laecheln.

Armut

ARMUT – was heisst das?

Besuch im Cesmar. Besuch von weit weg.
Ein junger Mann, der mit der Sozialarbeit an sich nichts am Hut hat.
Freundlich, interessiert, wollte das Projekt kennen lernen.
Einen Tag hat er mit uns verbracht, weniger noch, fuenf Stunden.
300 Minuten lang Einblick in das Cesmar, einen Augenblick lang eine leise Idee von dem Leben unserer Kinder.
Aber eine richtige Idee?
In den letzten Minuten vor seinem Aufbruch, bevor ihn der rollende Bus wieder hinausgebracht hat, aus dem Viertel, haben wir uns noch einmal unterhalten. Auf jenen Eindruck war ich gespannt, kann ich mich doch noch sehr gut an meinen erinnern, der heute, acht Monate spaeter, voellig oberflaechlich war. Logisch.
Was er denn haelt, von unsere Welt, habe ich ihn gefragt.
Ob es so sei, wie man ihm zuvor moeglichst wahrheitsgetreu zu beschreiben versucht.
Eine gute Frage. Nicht nur fuer ihn, der so reflektierte, auch fuer mich, die so einiges begriff.
Es waere anders.
Die Kinder waeren nicht so arm und dreckig, wie er es erwartet hatte,
das Projekt organisierter und es waere ja alles da was die Kinder brauchen, Baelle, Instrumente, Spiele etc.
Nicht so arm, hat er gesagt.
Arm. Schallt es in meinem Kopf.
Und es beginnt ein wenig Wut zu kochen. 
Einen Haufen schwarzer Kinder wollte er wohl sehen, ausgehungert, mit tiefen Augenhoehlen, vielleicht mit Blaebauch, kleiderlos. Beruehmtes AIDS-Weisenfoto wollte er bestaetigt und es faellt ihm nicht einmal auf, dass er alles in eine Schublade steckt. „Junger Mann, Brasilien ist doch nicht Afrika!“ schreit wuetend eine Stimme in meinem Kopf und ich merke wie ich jetzt selbst  die Schublade oeffne. Sofort aber nehme ich mich selbst in Schutz. Mit AIDS-Weisen assoziieren wir nun einmal Afrika, da kann man uns nicht helfen. Zu breitgetrampelt von den Medien ist jenes Thema. Brasilien aber liegt auf anderem Kontinent, meilenweit entfernt. Laesst sich dass nicht trennen?
Und selbst wenn es Afrika waere, sollten wir vorsichtig sein, mit unserer Leichtglaeubigkeit. So sollten wir doch schon lange nicht mehr alles von vornherein glauben, was uns die Medien berichten. Meinst du nicht auch,wir muessten uns -idealer Weise- jede Situation vor eigenem Urteil aus anderer Perspektive ansehen? Bequemer aber, gleich zu glauben und fremdgedrucktes zu eigener Meinung werden zu lassen.

Aber ich verstehe ihn nicht.
Denn jetzt ist er schon einmal hier, am anderen Ende seiner Welt.
Aus irgendeinem Grund muss er doch hier sein.
Hat er wirklich erwartet alles so vorzufinden wie er es sich in seinem weissen Kopf zurechtgelegt hat?
Ganz ehrlich. Das kann nicht sein.
300 Minuten hat er jetzt hier verbracht. 4500 Atemzuege gemacht.
Und dann sagst er schnell, die Kinder hier waeren nicht so arm.
Oder wollte er sagen: IHM nicht arm genug?
Er war jetzt also ein paar Stunden da und meint beurteilen zu koennen, dass unsre Kinder nicht arm sind 
weil sie ganz gesund wirken, Kleidung tragen und lachen.

Armut.
Wie aber definiert sich Armut?
Allein ueber materielles Gut?
Unterkunft, Essen, Kleidung?
Nicht vielleicht auch ueber Bildung?
Ein Kind dass mit 9 Jahren weder lesen, geschweige denn schreiben kann, zaehlt fuer den Herrn anscheinend nicht zu denjenigen, die sein arm „verdienen“. Es hat ja schliesslich ein Lachen auf den Lippen und traegt halbwegs orderntliche Kleidung, deren Muff er aus der Ferne nicht riechen kannt.
Definiert sich Armut nicht auch ueber Erziehung?
In seinen paar Stunden haben sich sicherlich 80 Prozent der Kinder gut benommen. Fremder Besuch lockt immer bestes Benehmen. So ist das bei Kindern.
Definiert sich unser aller Reichtum nicht auch -oder vielleicht grundlegend- ueber gesunde, funktionierende familiaere Verhaeltnisse?
Ueber den Schatz einer behueteten Kindheit?
Ueber den Schutz vor Gewalt und Drogen? Mord und Totschlag?
Ueber jemanden, sei es Mutter oder Vater -vielleicht aber auch Onkel, Tante, Opa oder Oma-
der immer fuer dich da ist und der dich in den Arm nimmt wenn du Halt brauchst?
Und mit der Familie kommt dann alles andere.
Kein Kind hat seinen Familienstand auf die Stirn geschrieben.
Von aussen laesst sich nicht sehen, wie es drinnen ausschaut.
Sie sind nicht transparent.
Kein Mensch kann ohne Zuneigung, ohne Liebe.
Wir sind aus Liebe fuer Liebe in Liebe gemacht.
Kinder ohne elterliche Fuersorge verkuemmern.
Sie tragen geistige, seelische, koerperliche Schaeden davon.
Nachhaltig.
Was ganz klar heisst: ihr Leben lang.

Armut kann man nicht sehen, auf den ersten Blick.
Ein Laecheln auf den Lippen ist Reichtum, ohne Zweifel.

Was aber sagt dir ein Laecheln, das nicht mitkommt, nach Hause,
ein Laecheln, dass fuer immer im Cesmar bleibt?
Sowas sieht man nicht wenn man 5 Stunden da ist.

Sowas lerne ich noch immer zu sehen, nach achteinhalb Monaten.
Was hast du eigentlich erwartet, ganz ehrlich?
Armut, wirds wohl sein.  


	

Karfreitag

Karfreitag. Ein wichtiger Tag fuer Christen in aller Welt.
Der Tag an dem wir Jesus Tod gedenken.
Ein Tag an dem in zahlreichen Kirchen Gebete stattfinden, Menschen innehalten und nachdenken.
Karfreitag 2011  in Brasilien. Zusammenkommen in einer wunderschoenen Kolonialstilkirche am Park.
Stille im Gebaeude, nur das leise Knattern arbeitender Ventilatoren ist zu hoeren. Dann die Stimme einer Frau. Ruhig und weich. Die letzen Tage Jesus im Kreis seiner Juenger, Verrat und Verhaftung. Tod am Kreuz. Stille in jedem Moment, in dem Worte der Bibel den hohen Raum, die Helle Kirche fuellen. Eine Stunde spaeter treten ich hinaus auf die Strasse in das Gewuehle des Tages. Nehme die Worte mit mir, lasse meine Eile dort. Die heisse Sonne brennt, die schwere Luft drueckt und doch habe ich Gaensehaut, wenn auch nur fuer einen Moment. So denken wir doch, jedes Jahr aufs neue, an jenen Tag, von dem wir nicht einmal genau wissen wann er war. Es sind nur die uralten Worte, die jemand vor mehr als 2000 Jahren mit Tinte auf Papier geschrieben, die uns die Geschichte eines Mannes erzaehlen, der so viel groesser war als wir alle. Es sind nur uralte Worte und doch so zeitlos und ehrlich, dass sie Jesus Christus jedes Jahr aufs neue in unser hier und jetzt holen und beruehren.

Wenig spaeter stehe ich an der Bushaltestelle und warte auf die 494 nach Rubem Berta.
Am Nachmittag werden vom Cesmar die letzen Tage Jesu inszeniert – vom Letzten Abendmahl, ueber den Verrat und die Festnahme bis hin zur Kreuzigung und dem Tod. Das alles auf dem Weg durch das Viertel, in Kostuemen mit Schauspiel. Ein Kreuzweg der besonderen Art, laut Franziska, meiner Mitfreiwilligen, allerdings typisch fuer Lateinamerika. Fuer Europa aber ganz und gar nicht. Angekommen im Projekt sind zahlreiche Educadoren bereits verkleidet, einige stecken schon voellig in ihrer Rolle. So sieht man beispielsweise kein Laecheln mehr, nur noch eine ernste Miene in Fabianos sonst so froehlichen Gesicht, der als roemischer Soldat sein Schild fest in der Hand haelt. Und auch Pilatus ueberrascht mit ungewohnt koeniglicher Haltung. Ein seltsames Gefuehl macht sich breit, versetzt mich doch das was ich hier sehe 2000 Jahre zueruck in Jesus Zeit. Und ich erwische mich dabei, den Soldaten vor Demut unbewusst den Vorrang durchs Tor zulassen auf dem Weg zur ersten Station. Viele Menschen aus der Nachbarschaft haben sich schon versammelt und warten gespannt auf grosses Schauspiel. Kinder sitzen geduldig am Strassenrand. Und auch Jesus Juenger warten bereits in Position.

Als es dann soweit ist, wird zu allererst eine wunderschoene Einleitung gesprochen. Dass wir nicht vergessen wollen, wer Jesus war, dass wir nachspielen um zu erinnern, wird offenen Ohren erklaert. Und dann geht es los. Aus dem Kreis der Zuschauer stuermen ploetzlich zwei Maenner hervor, eine Frau mit sich ziehend. Sie schupsen sie zu Boden, werfen sie vor die Fuesse Jesu. Auf den Vorwurf des Ehebruchs und den Vorschlag zur Steinigung folgen beruehmte Worte aus der Bibel. „Wer selbst ohne Suende ist,  der werfe den ersten Stein.“ Mit Gaensehaut am ganzen Koerper stehe ich da. Atemberaubende Stille herrscht unter den Zusehenden. Wie gerade geschehend fuehlt sich an, was man so oft gelesen, so haeufig erzaehlt bekommen. Live dabei sind wir, fluester ich mir zu. Und ich beginne zu glauben der Mann mit Perueke und vollem Bart in hellem Gewand ist wirklich unser Jesus. Und so ziehen sie weiter, Jesus und seine Juenger, zu naechster Station, gefolgt von einer Traube Anwohner.Das letzte Abendmahl an einer Strassenecke.


 

Und dann beginnt es zu regen. Und es regnet und regnet und der Himmel zieht sich zu. 

Und das Schauspiel geht weiter doch keiner hoert mehr hin. Alle Welt schaut gen Himmel, erfuerchtig, unsicher. 

Und der Regen wird staerker, und heftiger Wind weht. Jesu Juenger sprechen weiter doch man kann sie nicht mehr hoeren. Zu stark weht der Wind, zu sehr peitscht der Dreck in ins Gesicht.Passiert das gerade wirklich, frag ich mich. Und das Wetter wird zum Sturm. Jetzt brechen auch die Schauspieler ab und Jesus wird wieder zu den Mann hinterm Schreibtisch im Hauptbuero. Frauen und Kinder laufen nach Hause raus aus dem Regen. Wir klettern auf einen Planwagen, durchnaesst bis auf die Knochen von wenigen Minuten im Regen. Schwarz ist jetzt der Himmel und auch der Strom in den Strassen ist ausgefallen. Kein Licht in der ganzen Favela, keine Sicht, nur Gefuehle. Katastrophisch fuehlt es sich an. Nach ewigen Minuten erreichen wir dann das Cesmar, steigen tropfend aus klapprigem Planwagen und eilen ins Gebaeude. Kein Strom auch hier. Doch schon bald brennen erste Kerzen mutig in riesiger Dunkelheit. Wartend auf meine Mitfahrgelegenheit raus aus der Dunkelheit, zurueck ins Zentrum, sitze ich im Flur. Nur nach Hause will ich, raus aus nassen Klamotten, unter heisse Dusche, auf weiches Sofa. „Wir sind hier gleich raus, in trockenem, mit Strom versorgtem, wasserdichen Haus. Die Familien aber kommen jetzt vielleicht in kleiner Huette an, ohne Licht, ohne warme Dusche. Vielleicht tropft es auch durchs Dach.“ Da hast du sicher Recht Franziska.

Und dann denke ich zurueck an Jesus, der gerade noch mit uns auf offener Strasse stand. Fast zu Traenen geruehrt hat mich jene Inszenierung. Und es laesst mich traurig, dass sie so unterbrochen. Wie gerne haette ich mich voll und ganz davontragen lassen, von jener wahren Geschichte. Und dann ploetzlich faellt mir auf. Vielleicht war alles echter als ich verstehen mag.

Denn „zwischen Mittag und drei Uhr zog sich dann der Himmel zu. Alles verdunkelte sich und Jesus schrie gen Himmel: Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

mit Ton und in Farbe

Unsere ersten 3 Monate im Cesmar.
Endlich fertig, mit langer Verspaetung. 
Nimm dir 10 Minuten Zeit.

http://www.vidup.de/v/B5RTX/

Vamos trazer a luz..

As vezes o pessoal da Alemanha me pergunta: „O que é que se faz lá no Brasil, no projeto, todos os dias? Não é nem escola nem orfanato, falou. Mas o que é o Cesmar então?“ Cada vez que eles perguntam eu fico pensando, esperando que vou achar uma resposta boa. Uma que explica tudo.
Na sexta-feira passada me lembrei de uma música que tinha cantado numa apresentação da escola, anos atrás. Nos crianças caminhando no obscuro da sala de aula levamos velhinhas nas maõzinhos cantando alto. Pais curiosos ficarem parados tocados da messagem. Foi uma música bem curtinho mas significativo e forte. „Tragam a luz às crianças, dizem que não precisam ter medo, porque Deus ama todos, grandes e pequenas. Olhem ao brilho da velha.“

Esta música acredito nòs dá resposta à pergunta do início.
O que é que se faz lá no Cesmar? A gente traz a luz às crianças. Todos os dias.
A luz da felicidade, da amizade e amor. Da esperança.
A luz da vida.
Brilhando em cada sorriso.

Manchmal fragen mich die Leute in Deutschland: „Was machst du dort im Projekt in Brasilien den ganzen Tag? Du hast gesagt es ist weder eine Schule noch ein Weisenhaus, aber was ist es eigentlich?“ Jedesmal wenn sie fragen, suche ich nach einer Antwort in der Hoffnung eine zu finden. Eine Antwort, die alles erklaert.
Am vergangenen Freitag viel mir dann ein Lied ein, das ich als Kind vor Jahren in einer Schulauffuehrung sang. Wir Kinder schritten durch das Dunkel des Klassenzimmers mit Teelichtern in den Haenden und sagen das Lied. Gespannte Eltern blieben bewegungslos sitzen, geruehrt von der Nachricht. Das Lied war kurz, ihr Inhalt umso staerker. „Tragt zu den Kinder ein Licht, sagt allen fuerchtet euch nicht, denn Gott hat euch lieb gross und klein. Seht in des Lichtes Schein.“ 

Ich bin ueberzeugt, dass dieses Lied uns Antwort gibt auf so oft gestellte Frage. Was macht man dort im Cesmar? Wir tragen ein Licht zu den Kindern. Jeden Tag. Ein Licht der Freude, der Freundschaft und Liebe. Der Hoffnung.
Das Licht des Lebens.
Das scheint, in jedem Laecheln das wir schenken.   

„wo du herkommst..“

Vergangene Woche:
Ich sitze unterm Feigenbaum.
Dem Feigenbaum am Spielfeldrand.
Eine Hand voll Kinder steht auf dem Platz und spielt Basketball.
Ob es wirklich Basketball ist…nun ja zumindest versuchen sie es.
Alle Kinder ueben fleissigden schweren Ball zu werfen, der so anders ist als ein Fussball.
So voellig anders.
Ein hoffnungsloses Seufzen hier, ein leises Meckern da.
Und doch macht es Spass, mal etwas anderes zu spielen als Fussball.
Immer nur Fussball.
Basketball eben.
Felipe aber sitzt im Schatten neben mir.
Zu heiss brennt der grosse Feuerball fuer ihn, sagt er.
Elf Jahre ist er alt.
Sein linker Fuss in die Sonne gestreckt, die schwarze Haut glitzert im Licht. „Ich vertrage die Hitze nicht“, erklaert er mir.
In Brasilien geboren, schwarz wie die Nacht.
Dann muesste er immer so schwer atmen.
„Dich mag ich am aller liebsten von allen,“ sagt er ploetzlich.
„Du spielst immer mit uns.“
Geschmeichelt danke ich ihm fuer dieses Kompliment.
Eine Weile spaeter fragt er dann
„wo kommst du eigentlich her?“
als waere ich ploetzlich erschienen.
„Aus Deutschland,“ antworte ich ihm.
Seit 7 Monaten arbeite ich jetzt im Projekt.
Sehe den Jungen jeden Tag.
„Aus Deutschland“ wiederholt er, „was ist das?“ fragt er dann.
Ich erklaere ihm es sei ein Land.
Weit weg von hier, auf einem anderen Kontinent gelegen.
Bei dem Wort Kontinent runzelt er die Stirn.
Ob er das verstanden hat, frage ich mich.
Also erzaehle ich weiter.
„Das ist so weit von hier, dass man ein Flugzeug nehmen muss.“
Mit dem Bus kannst du also nicht fahren, stellt er erschrocken fest.
Ein nein gebe ich zurueck.
„Ein anderes Land..“ wiederholt er.
„Wie ist es da?“ Wo fang ich da an?
Ich setze mich um, ziehe mein weisses Bein aus der Sonne.
Sonnenbrand passiert hier so schnell.
Im Winter ist es ganz kalt, sage ich ihm.
Wir haben keine Palmen, andere Baeume ja, aber keine Palmen.
Dann unterbricht er mich.
„Da wo du herkommst , gibt es keine schwarzen Menschen, oder?“

wo Afrikas Herz am lautesten schlaegt…

Eine kleine Weile ist es zwar schon her und doch lohnt es sich noch lange davon zu berichten. Anfang des Jahres war ich ein wenig auf Reisen, in einem Teil des Landes wo man mit jedem Schritt Afrikas Herzschlag hoert. Ich habe Halt gemacht in Brasiliens aeltester und erster Hauptstadt Salvador, im Bundesstaat Bahia.
Voellig fasziniert von jenem ganz anderen Gesicht Brasiliens konnte ich kaum glauben dass ich noch im selben Land, dass ich noch auf selbem Kontinent war. Zu jeder Tageszeit, zu jedem Anlass erfuellt dort Musik die alten Strassen des historischen Zentrums Pelourinho. Samba, Axé, Pagode oder Trommelrhythmen, alles ist zu hoeren, wenn du nur lauschst. Bunte Kolonialstilhaeuser, Reihe in Reihe, eins nach dem anderen, zieren die Gegend, Kopfstein pflastert deinen Weg. Zahlreiche kleine Laeden locken Schwaerme von Touristen aus allen Teilen der Welt.
Locken mit Instrumenten und traditioneller Kleidung, mit Mitbringseln und Postkarten, Schmuck und allem anderen was fremdes Herz begehrt. Die afrikanische Seele, die einst der Sklavenhandel mit sich brachte, scheint die bahianische Erde seither nicht mehr verlassen.

 

Dunkle Haut soweit das Auge reicht, herausstechen die estrangeiros wie schwarze Schaafe, was Taschendiebstahl zum Kinderspiel macht, im wahrsten Sinne des Wortes. In allem Rausch der Faszination fuer Salvadors lebendige, aufregende und lebensfrohe Art, bremst doch die Unsicherheit. Ich wurde das Gefuehl nicht los, ich haette mich in des Loewens Hoelle begeben. Denn das historische Zentrum Salvadors bedeutet heute gleichzeitig viele Touristen. Und wo sich viele Touristen tummeln, da tummelt sich auch haufenweise Geld. Geld, dass man gerne mal ausgibt fuer das ein oder andere Mitbringsel. Unvorsichtig -den unwissend- mit Geldscheinen winken so viele und locken und locken Diebe.  Den Tourist also zuhause lassen und losziehen ohne Kamera und Portmonaie, am besten ohne Handtasche, mit einem Schein in der Socke und einatmen. Salvador einatmen und aufsaugen. Eintauchen und -wenn auch nur fuer kurz, denn wahrlich nicht fuer lange- Teil werden.

Alter Legende zufolge hat die Stadt genau 365 Kirchen. „Fuer jeden Tag des Jahres eine“ sagt man.

eine Welt, andre Welt

Ich reise jeden Tag, von einer Welt in die andere.
Seit 7 Monaten lebe ich jetzt in der selben Stadt. Das Haus meiner wundervollen Gastfamilie ist zu einem zweiten Zuhause , die Familie zu einem wunderbaren Ersatz geworden, der mich voruebergehend meine Sehnsucht vergessen laesst. Die Strassen zum Bus und der Weg ins Projekt sind schon lange gewohnte Umgebung. Der Busfahrer kennt mein Gesicht, weiss wo ich aussteige, die alte Frau im Kiosk an der Ecke oeffnet jeden Morgen ihre Rolladen, wenn ich vorbeilaufe.
Jeden Tag mach ich mich auf die Reise ans andere Ende der Stadt.
35 km sind keine Distanz, bei langem  nicht so weit wie von hier nach Europa, hoehenunterschiedlich wie vom Fuss eines Berges  bis an seine Spitze oder gegensaetzlich wie jede Reise aus tiefstem Dschungel bis in die Sahara. Und doch koennten jene beiden Ziele nicht unterschiedlicher sein. Ich reise aus der einen in die andere, einzigartig ist jede fuer sich und doch liegen sie so nah beieinander.
Dass mein perfektes brasilianisches Zuhause -zentrumnah, in schoener Strasse- Teil der selben Stadt ist, in der auch das Viertel unsrer Kinder liegt, musste man mir sagen, sonst haette ich es nicht geglaubt.
Ich reise jeden Tag von einer Welt in die andere.
Morgens um sieben laufe ich durch unsre schoene Strasse, an bluhenden Baeumen und bunt gestrichenen Haeusern vorbei. Hier ein Herrchen auf morgentlichem Spaziergang mit seinem reinrassigen besten Freund, dort ein Jogger im Fitnessrausch vor der Arbeit. Ich nehme den Bus an eine der Hauptverkehrsstrassen, die schon so frueh gut besucht. Vorbei an Mensche die auf dem Weg zur Arbeit sind, Kindern die zur Schule gebracht werden, Laeden die oeffnen.

30 Minuten spaeter haelt mein Bus zum letzen Mal an letzter Station seiner Route. Endstation Rubem Berta, Endstation fuer mich. Ich steige aus und laufe die Strasse hinauf, vorbei an einer Handvoll Strassenhunden, an Muell Muell Muell am Bordsteinrand, an Pfuetzen und immer wieder Pfuetzen auf matschig, unasphaltierten Strassen, die der Regen von gestern -von vorgestern- gelassen. Ich trage mein blaues Projektshirt, das Namensschild um den Hals drueckt mir den Erzieher-Stempel auf. Und doch alle Augen offen. Ein Mann laeuft vorbei im letzten Hemd ohne Schuhe.

„Rubem Berta, Bevölkerung: 80 000.
Da der Drogenhandel sich zwischen verschiedenen Banden aufteilt, handelt es sich um ein Gebiet mit eröhter Mord- und Diebstahlrate“
„Mario Quintana, Bevölkerung: 25 000
10 Stadtteile werden von mehreren Drogenbanden umkämpft, was zu blutigen Konlfikten mit vielen Todesfällen führt“

Ich warte an der Haltestation, die eigentlich keine ist. Maenner auf Pferdekutschen traben vorbei, vollbepackt mit bestem Muell, kehren zurueck von naechtlicher Sammlung. Ein alter VW faehrt vorbei, neulackiert mit auffaellig wertvollen Felgen. Dann nehme ich den Bus aus dem Viertel, kostenlos, denn fuer Anwohner nicht zu bezahlen, dreckig und quietschend, ausrangiert aus „normalem“ Betrieb bringt er mich in die Favela Mario Quintana. Graffiti an den Waenden, Kaugummis unter den Sitzen. Ab und zu ein Hund auf der Strasse, „aus dem Weg!“ schreit die Hupe ihn an. Raus aus dem Bus und rein ins Projekt, sicher hintem Tor, sicher hinter Zaeunen, Zeit und Kopf und Herz fuer die Kinder.

Und nach jedem langen Tag dann, gegen halb sechs, wenn die Kinder nach Hause gehen muessen, ob sie wollen oder nicht, gehe auch ich. Erschoepft vom vielen Aufpassen, vom vielen Spielen, erschoepft vom Zuhoeren und Nachfragen. Gluecklich uber alles was ich geben konnte, dankbar fuer alles was ich erhalten habe. Mueden Schrittes geht es zurueck an die Bushaltestelle. Mit dem Bus dann hinaus aus einer Welt, die sich mit jeder hinter uns gelassenen Strasse wandelt und wandelt. Zusammengeschusterte Holzhuetten werden zu Haeusern mit Fundament, Matschwege verschwinden, Asphalt weist den Weg nach Hause, Die Menschen tauschen Plastikflipflops mit festem Schuhwerk, Kleidung die funktionert mit Kleidung die in Mode ist. Mit dem Bus hinaus aus einer Welt, die, zurueck in meiner Strasse, so unvorstellbar und unwirklich scheint wie noch an diesem Morgen. Wohin es morgen geht? Das kannst du dir nicht vorstellen.

„O Cesmar em minha vida“

Das Cesmar, „Centro Social Marista“, ist mehr als nur ein Projekt zum Zeitvertreib.
Es bedeutet Möglichkeit.

„Eu não fazia nada em casa, não estudava, não tinha ânimo para fazer mais nada. Então resolvi vir para o Cesmar e tudo começou a mudar, comecei a ter ânimo comigo mesmo, comecei a pensar no futuro, comecei a pensar no que eu quero para mim e para minha família. Este ano tive até coragem de tirar a carteira para dirigir moto. Estou trabalhando mas não ganho bem. Trabalho atualmente em um galpão de reciclagem, mas o Cesmar abriu meus horizontes e então percebi que devo estudar mais e mais para conseguir um outro emprego melhor, mais rentável e seguro, com carteira assinada e tudo. Espero que eu consigo alcançar meus objetivos. Vou me esforçar cada vez mais comigo mesmo. Obrigado a todos e ao Cesmar por me darem essa oportunidade de mudar a minha vida.“
Márcio, educando no Cesmar, 2005

„Ich habe nie wirklich was gemacht Zuhause, nicht für die Schule gelernt, ich hatte keine Motivation für gar nichts. Schliesslich habe ich mich entschieden, ins Cesmar zu kommen und alles begann sich zu verändern. Ich begann Motivation für mich selbst zu haben, habe angefangen über die Zukunft nachzudenken und über das, was ich will im Leben für mich selbst und meine Familie. Dieses Jahr hatte ich sogar den Mut, meinn Mofaführerschein zu machen und habe bestanden. Heute arbeite ich in einer Müllverwertungsanlage, verdiene also nicht besonders gut. Das Cesmar aber hat mir die Augen geöffnet, ich verstehe jetzt, dass ich mehr und mehr lernen muss um eine besser bezahlte und sicherere Arbeit zu bekommen, mit Arbeitserlaubnis und allem was dazugehört. Ich hoffe dass ich meine Pläne verwirklichen werde. Ich werde mich zwingen, jedesmal mehr. Danke an alle und ans Cesmar für die einzigartige Möglichkeit, mein Leben zu ändern.“
Márcio, Schüler im Cesmar, 2005

Willkommen im neuen Jahr

Nach langer Sommerpause melde ich mich nun zurück aus wohlverdienten Ferien. Der heisse Sommer Brasiliens neigt sich nun -ganz langsam- dem Ende zu und lässt den Alltag nach und nach wieder in Schwung kommen. Januar und Februar sind die Reisemonate schlecht hin für die Brasilianer.  Vor allem aber im ersten Monat des neuen Jahres war Porto Alegre wie leergefegt, verlassen. Beliebtestes Reiseziel? Der Strand.

Jetzt aber sind wir alle wieder zurück im geliebten Cesmar, streifen seit dieser Woche Montag wieder täglich das Cesmar-Shirt über und warten auf unsere Kinder. Auf Kinder, die noch nicht ganz so zahlreich erscheinen, wie wir das von letzte Jahr gewohnt waren. Warten in unserem Projekt, das den vollen Betrieb noch nicht ganz wieder aufgenommen hat. Denn zwar neigt sich die lange Sommerpause bereits dem Ende zu, ist aber noch nicht vorbei. Und so kommen täglich „nur“ 100 Kinder. 100 Kinder, die „Dank“ ihres sozialen Notstandes schon jetzt wieder Gemeinschaft geniessen dürfen. Alle weiteren müssen bis März erst einmal fort bleiben. „100 ärmste Kinder“ die -for once- Glück gehabt haben?

Zurück im Cesmar aber fühle ich mich wohl.
Es tut gut wieder dort zu sein, bekannte Gesichter zu sehen, kleine Hände zu halten.
Wir sind also schon ins neue Jahr gestartet und haben grosses zu erwarten.
Was wohl kommen mag.

no coração do Brasil: Rio de Janeiro

Das Ende des Jahres steht vor der Tür.
Und mit den letzten Tagen in diesem Jahr kommt fuer mich eine atemberaubende Reise ins Herz Brasiliens, das, anders vielleicht als erwartet an der Küste und nicht etwa im Landesinneren liegt. Willkommen in Rio de Janeiro hiess es am vergangenen Montag als mein Flieger in Sant Dumont landete. Spaet am Abend war es schon, die Lichter der Stadt leuchteten und Leben auf der Strasse wie am Tag. Kein Blick auf den Atlantik, keine Sicht auf die berühmten Berge, die wörtlich aus dem Boden ragen. Zu dunkel die Nacht, zu verregnet die Stadt.
Am nächsten Tag aber waren wir auf dem Weg durch die Stadt. Und atmeten endlich endlich Rio de Janeiro ein.
Zwei Tage vor Silvester lagen wir an Brasiliens berühmtesten Strand, badeten bei 33 Grad Celsius im Ozean. Und heute abend, nach bereits der Hälfte der Zeit, nach diversen Mittagessen in zahlreichen Restaurants der Stadt – eins besser als das andere -, nach Spaziergängen unter meterhohen Feigen- und Gummibäumen, die die Strassen säumen, nach caipirinhas mit limão in barzinhos, gehe ich zu Bett in Vorfreude auf ein Silvester, auf einen Start in ein neues Jahr, so aufregend und extraordinär, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Morgenabend um Viertel vor zwölf, nach Stunden der Unterhaltung durch diverse Shows auf zahlreichen Buehnen entlang der Küste,  starten an der Copacabana hunderte Feuerwerke.

Man findet sich am Strand zusammen, trägt Kleidung in Farben, die den Wünschen fürs neue Jahr entsprechen (Rot=Liebe, Gelb=Geld, Blau=Gesundheit, Grün=Hoffnung, Weiss=Frieden) und wird Zeuge einzigartigen Spektakels. Im Anschluss dann läuft man ins Meer und überspringt – so will es die Tradition – sieben Wellen.
Heute Abend also lege ich mich schlafen und träume vielleicht schon von einem wunderbaren Abend der mich erwartet. Von einem Abend in ein neues Jahr, dass nur so wunderbar weitergehen kann wie das alte aufgehört hat.
Hier in Rio unter dem wachenden Blick, in den offenen Armen Christus.
Ein gutes neues Jahr euch allen von Herzen!


Grêmista ou colorada ??

Hier in Porto Alegre muss du dich entscheiden.
Ein „não sei“ wird nicht akzeptiert,geschweige denn verstanden.
Unter den ersten Fragen einer jeden neuen Bekannschaft darf eine ganz klar nicht fehlen.
„Tu é grêmista ou colorada?“

Blau oder Rot, 1903 oder 1909.
Tricolor Imortal ou  Colorado.
Wie heisst dein Fussballteam, Grêmio oder etwa SC Internacional.
Deine Antwort ist dann fuer die Zukunft jener neuen Verbindung alles entscheidend. Bleibt man in Kontakt oder wars das.
Grêmio und Inter.
Eine uralte Rivalitaet die bereits Tradition hat.
In diesem Punkt – kann man wirklich sagen – spalten sich Freundesgruppen und ganze Familien. Hier reisst die Stadt in zwei. Hinfort mit der Farbenlehre. Bunt gibt es nicht mehr, nur blau und rot. Blau und rot.
Ich erinner mich noch an den Abend des ersten Spiels des SC seit meiner Ankunft. Es war unmoeglich einzuschlafen. Draussen knallten die Raketen, Autos fuhren in Kollonen hupend durch die Strasse. Ob Inter gewonnen habe, fragte ich mich? Ich dachte die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. An diesem Abend aber wurden sie geschlagen. Es waren die Grêmistas , die jene Niederlage feierten.

Wie ich mich entschieden habe, moegt ihr euch jetzt fragen…


Ganz klar, que pergunta! Sou grêmista.
Daaaale!! Grêêêêmiooo!!

Freud und Leid so nah nebeneinander

Heute ueberkam mich ein Schauer.
Ein Schauer und mit ihm eine Gaensehaut, die so schnell nicht verflog.
Heute, will ich meinen, habe ich die harte Realitaet des Lebens
der Kinder und Menschen
hier im Viertel, wenn auch noch immer nicht ganz, doch einmal mehr verstanden.
Das Leben hier ist knallhart. Gnadenlos.
Freud und Leid sind Freund und Feind.
Lebens nebeneinander, fressen einander auf.
Freude. Der erste Platz eines Jungen beim landesweiten Malwettbewerb.
Landesweit, unglaublich fuer ihn, unfassbar.  und jeden Einzelnen im Projekt.
Eine Reise nach Rio, zur Abholung der Trouphaee. Eine Reise!
Fuer ihn -so wie es fuer jedes andere Kind waere- das erste Mal.
Und wohl auch das letzte.
Die Belegung eines ersten Platzes.
Nicht einmal im Traum haette daran irgendjemand gedacht.
Ein Erfolg der bisher einfach unerreichbar schien.
Unerreichbar und nicht gemacht fuer diese Kinder.
Welch ein Glueck, welch ein Glueck ruft die Lehrerin vor Erstaunen
und hat Muehe  Traenen der Freude zurueckzuhalten.
Es ist ihre Muehe und die Fassungslosigkeit der Kinder, die mich zur Gaensehaut treibt.
Und auch ich habe Muehe meine Traenen zu halten.

Und dann ploetzlich.
Leid. Es schiesst mir in den Kopf.
Nicht vergessen habe ich die Neuigkeit des Tages.
Der Tod eines unserer Kinder.
Leblos aufgefunden.
18 Jahre alt.
„Das passiert, wenn man sich in Drogen einmischt“.
Die Worte eines Lehrers.
Er bringt sie kaum ueber die Lippen.

Mit seinem Tod stirbt an diesem Tag ein Teil der Cesmar-Familie.
Es klingt kitschig, uebertrieben
doch wahrhaftig waechst man hier zusammen.
Die Educadoren, fuer Kinder in Not und Verzweiflung wie ein Elternersatz.
Denn wohin soll man gehen
wer bleibt
wenn die Familie selbst zerbricht,
wenn die Hand des Vaters weit ausholt,
die Mutter nicht sieht vor lauter Crack.
Was bleibt dann fuer diese Kinder und vorallem wer?
In solchen Momenten der Verzweiflung und Auswegslosigkeit geht es ganz schnell.
Man findet im Cesmar ein zweites
– oder allererstes, richtiges-
Zuhause.

Mit dem Tod es Jungen stirbt vielleicht aber auch
ein Teil der Hoffnung, der Hoffnung der Erzieher, die durch ihre Arbeit
jeden Tag versuchen gegen die lebenszerreissenden Gefahren der Strasse,des Viertels anzukaempfen.
Es stirbt vielleicht -wieder einmal?- ein Teil der Hoffnung, den Kindern irgendwann zum Ausbruch zuverhelfen,
zum Ausbruch aus dem Teufelskreis.
Doch was nuetzt das alles, mag man sich fragen,
wenn man dann noch nur machtlos dasteht und hinabblickt
auf den Leichnam eines Kindes. Und das sicher nicht zum ersten Mal.
Denn „das passiert hier staendig“, sagt ein Junge daher.
Fassungslos schuettel ich den Kopf und versuche zu begreifen.
Das ist keine Fiction. Hier ist es wahrhaftig und gegenwaertig.

Mein Sein im Cesmar wird mehr und mehr zu einem taeglichen Auf und Ab der Gefuehle.
Mit jedem Tag tauche ich jetzt weiter ein in das Leben der Kinder, lerne besser und besser kennen.
Begreife, verstehe und sehe, was ich vorher nicht gesehen.
Freud und Leid liegen hier so nah bei einander, ineinander
und machen das Leben knallhart.
Gnadenlos.

mein kleiner Erfahrungsbericht im ICYE Newsletter international

ICYE Newsletter 23d Issue

trabalho voluntário

Nach drei Monaten habe ich mich, ich denke das kann ich sagen, schon lange an den brasilianischen Lebensstil angepasst. Auch meine Arbeit im Projekt hat sich endlich voellig eingependelt, erste Projekte habe ich bereits begonnen, Lehrplaene gemacht. Und so gibt es auch endlich erste Fotos von dem Alltag im Projekt. Man koennte fast sagen jetzt kann es richtig losgehen mit der Freiwilligenarbeit, dem lehren und beibringen, wuerde das Schuljahr nicht in wenigen Wochen zu Ende gehen. Daher bleibt es also erstmal bei vielmehr kurz- als langfristigen Vorhaben fuer den Unterricht. So bastel ich beispielsweise mit einer Kunstklasse Kuerbisse zu Halloween, bringe den Kindern Volleyball spielen bei, das hier neben Fussball einmal voellig unterzugehen scheint, helfe beim Basteln einer riesigen Weihnachtskrippe aus Muell und spiele und spiele und spiele in den Pausen. Soweit erstmal fuer dieses Jahr und die letzten circa fuenf Wochen bis zu den grossen Ferien und Weihnachten. Vielleicht aber kann ich im naechsten Jahr hier und da ein wenig mit dem doch klaeglichen Englisch helfen, vielleicht wird meine Gruppe angehender Volleyballspieler zu einem Team, vielleicht werde ich noch viel mehr helfen koennen, was ich hoffe, hoffe. Wir werden sehen was das neue Jahr bringt. Aufjedenfall Erfahrungen. Einmal mehr. Und hoffentlich Aufgaben fuer mich, Freiwillige. Aufgaben, die man mir zuteilt und sagt „ein Glueck, dass wir dich hier haben und dass du das fuer uns uebernimmst.“ Denn das ist der Sinn der Sache, nicht war? Das man mich braucht?

Wochenmarkt im Park – parque da redenção

Sonntagmorgen im Fruehling.
Ich habe das Haus (fuer meine Verhaeltnisse) recht frueh verlassen und laufe die Strasse entlang.
Unter Suedbrasiliens ganz besonderen Baeumen mit blauen Blueten durch, ueber eine der Hauptstrasse drueber, den schoenen Kiesweg entlang. Dem Park komme ich naeher an diesem Morgen. Das Gewusel auf der Strasse wird dichter, Musik, Gesaenge, rhythmisches Klatschen wird lauter. Ploetzlich biege ich ein in gespeerte Strassen die, fuer dieses eine Mal in der Woche, geziert sind mit zahlreichen Staenden, in der Hand hartnaeckiger Haendler, gefuellt mit endlos vielen Passanten. Jeder naechste Stand ist anders als der Vorherige und doch verkauft sich ueberall das selbe.

Schmuck, Koerbe und Taschen, handgemachter Schmuck und noch einmal Schmuck. Ketten, Ringe, Armbaender soweit das Auge reicht. Und mittendrin Capoeira-Gruppen, singende Strassenkinder, Familien und Paerchen, Kleinkinder mit Eiswaffeln in den Haenden, Jungs die Fussball spielen (wie duerfte das fehlen), Essen, Gespraeche, Lachen und Sonnenschein. Der Sonnenschein des Fruehlings, der, so heiss wie er ist, auch aus dem Sommer kommen koennte. Wochenmarkt im Park.

Wohin es mich naechste Woche Sonntag zieht? Muss ich da noch antworten..

Leben. Als kleiner Teil des grossen Ganzen.

Eine Strasse in Porto Alegre an einem Sommermorgen

Auf dem Weg zur Uni… unter den Baeumen.

intersase 2010 – Fussballturnier vom Allerfeinsten

Fusball wird – wie ist es gerade hier in Brasilien anders zu erwarten – auch im CESMAR gross geschrieben. Ende September fand ein grosses Fussballturnier statt.  Zum „Intersase 2010“ kamen insgesamt dreizehn Fussballmannschaften aus anderen SASE-Projekten im Norden Porto Alegres. 
Ganz kurz zur Begrifferklaerung: Unter der Abkuerzung SASE  – Serviço de Apoio Sócio Educativo-  versteht man eine Vereinigung zahlreicher Projekte zur gegenseitigen Unterstuetzung in ihrer Arbeit mit Kindern. 
Seit mehreren Jahren nun schon ist der Ort zum Zusammenkommen und Austragen der Spiele das Gelaende des CESMAR. Hier finden sich reichlich Fussballplaetze,  ein Asphalt-, vier Rasenplaetzen und einem Hallenfussballfeld, was fuer die Menge an Teams wirklich optimal ist.
Gegen neun Uhr also kamen mit dem Knattern der riesigen Busse auch circa 300 lachend laute Kinder.  Und so fuellte sich das Gelaende im Nu mit Leben, Stimmung, Aufregung. Fuer den Rest des Tages waren – soweit das Auge reichte – Kinder in kunterbunten Trikots zusehen, Fussbaelle in staendiger Bewegung zu beobachten und zischende Pfeifen zuhoeren. Spiele fanden parallel auf allen Plaetzen statt, es wurde gesungen, gejubelt und gelacht.

Fazit des Tages: Fussball ist Leidenschaft. Und das hier wahrscheinlich viel eher als irgendwo sonst. Fussball war an diesem Tag aber auch Tanz und Spiel, Freude und Aufregung. Eine Tatsache war alles entscheidend fuer den Verlauf des gesamten Tages. Von Anfang an stand fest:  es wird keine Verlierer geben. Und auch eine grosse glaenzende Trouphaee, etwa fuer den ersten Platz, gab es nicht. Denn wer wuerde sie erhalten, wenn doch alle Gewinner sein wuerden?   Und so kam es, dass man war um zu sein, nicht zu werden. Mancheinmal hoerten ganze Gruppen von Kindern einfach nicht auf eine Mannschaft zu bejubeln, die schon viele viele Gegentore hatte kassieren muessen. Dann wiederum hoerten eben die Jungs dieser Mannschaft nicht auf zu laecheln und spielten und spielten in einer Freude, mit einem Elan, in einem Rausch,  als laegen sie nicht ein Tor zurueck. Das „Intersase 2010“, ein Fest, an dem ununterbrochen eine grosse Sache grenzenlos gefeiert wurde – Gemeinschaft. 

Eine Gemeinschaft, die am Ende eines langen und erlebnisreichen Tages zu einem wundervollen Gefuehl wurde. Einem Gefuehl das jedes Kind dann doch wie eine Trouphaee – nicht glaenzend, vielmehr strahlend aus dem Herz heraus- mit nach Hause nehmen durfte. Kein Preis haette an diesem Tag schoener sein koennen.

30 Tage sind um…

Nun bin ich schon, wie schnell doch die Zeit vergeht, laenger als einen Monat im schoenen Brasilien. So langsam, kann ich sagen, hat sich auch ein Alltagsrhythmus eingependelt und die Arbeit im Projekt nimmt Farben und Formen an.
Gerne moechte ich noch einmal daran erinnern, dass fuer meinem Einsatz hier im Projekt noch Spenden benoetigt werden.
Jetzt wo ich tatsaechlich vor Ort bin und es ein klares Bild von meiner Arbeit gibt, mag sich der ein oder andere vielleicht doch zu einer Spende entscheiden. Darueber wuerde ich mich von Herzen freuen!!!
Tretet doch in Emailkontakt mit mir, so lassen sich Kontoinformationen leichter austauschen..

Obrigada!
Bis zum naechsten Mal!
Eure Linda

o dinheiro

Ah que bonito é o dinheiro do Brasil!
Wie schoen ist doch das Geld der Brasilianer.

Neben dieser beiden Noten gibt es ausserdem noch R$ 10 und R$ 20 in Scheinen. In Muenzen aber gibt es die brasilianischen Reais in allen moeglichen Varianten. ¢5, 10, 25, 50, R$ 1, 2. Manchmal begegnen mir in meinem Geldbeutel ¢10-Stuecke, die unterschiedlicher nicht sein koennten und doch haben sie den selben Wert. 1 Euro gleicht derzeit ca. R$ 2,20. Solch netter Wechselkurs macht nur leider nicht, dass ich fuer mein Geld mehr bekomme.  Schuhe, Kleidung, Hygieneartikel und Schmuck, Dienstleistungen und Eintrittskarten sind hier genauso teuer wie in Deutschland. Vor wenigen Wochen bummelte ich durch ein Einkaufszentrum und durfte mit erstaunen festellen, das fuer einige Artikel sogar mehr verlangt wird als ich es bisher gewohnt war. Nur das Essen, muss ich sagen, ist hier erstaunlich billig. Erstaunlich, wo es doch so viel besser schmeckt!

O Centro Social Marista – CESMAR

Meine Arbeit ist der eigentliche Kern meines grossen Freiwilligendienstabenteuers. Das ganze Jahr ueber darf ich im CESMAR arbeiten, helfen, mitwirken, lernen. CESMAR ist ein riesiges Projekt.
Es liegt im Stadtteil Mário Quintana, hier in Porto Alegre, mit dem Bus 11min von meinem behueteten Zuhause. Den
onibus zum Projekt zu nehmen fuehlt sich an als durchkreuze man Welten. Auf halber Strecke, wenn der Bus die Hauptstrasse verlaesst, taucht man ploetzlich ein. Unter? Man taucht ein und sieht einen voellig gegensaetzlichen Teil der Stadt, verkommen und schmutzig. Muell findet sich am Strassenrand, ueberall blaettert Putz von den Hauswenden. Strassenhunde soweit das Auge reicht. Ein Mann der ohne Schuhe die Strasse ueberquert: keine Seltenheit. Kriminalitaet ist hier, wie in anderen Teilen der Stadt auch, an der Tagesordnung. Die Augen also offen halten, eine gute Idee. Das T-shirt vom Projekt, den Schriftzug „CESMAR“ tragen, noch besser. Und doch fuehle ich mich hier fast sicherer als in der Strasse in der ich wohne. Die Kinder -fast alle des Stadtteils besuchen das Projekt der Marista- kennen die Deutschen Freiwilligen, erzaehlen Zuhause von den Blonden mit den blauen Augen, tragen die Neuigkeiten in jedes Haus. Welchen Bus ich immer nehme und wo ich denn wohne, wurde ich gestern an der Haltestelle gefragt. Und die anderen, wo wohnen die? Anfangs ueberrascht antwortete ich. Dann verstand ich, die Menschen auf der Strasse kennen uns. Wir arbeiten fuer und mit ihren Kindern. Der Status eines educadores, fast wie ein Schutzfilm.

Ins Projekt kommen taeglich mehrere hundert Kinder. Spielen und lernen, treffen auf offene Ohren und helfende Haende.
Das Projekt, Ausgleich zur zweiten Haelfte des Tages nach Stunden in der Schule. Aber auch Beschaeftigung, die die Kinder von der Strasse fernhaelt. Zu vielschichtig, zu zahlreich die Angebote, als dass ich alles aufzaehlen koennte. Wo genau ich aber helfen werde, was meine Aufgaben sein werden, erfahre ich in ein zwei Wochen. Bis dahin tauche ich ein in jeden Bereich, lerne viele viele Kinder kennen,  die einen von der ersten Minute an
an die Hand
in den Arm genommen,
ins Herz geschlossen.
Bis dahin beobachte ich die Arbeit der vielen Educadoren, ihre Umgangsformen und Verhaltensweisen.

Mit Vorfreude erwarte ich die Zeit wenn ich endlich wirklich mithelfen kann, den Menschen die dort taeglich so einfaches und doch wundervolles vollbringen unter die Arme greifen und den vielen Kindern Freude bereiten kann. Nach so kurzer Zeit im Projekt fuehle ich mich herzlichst aufgenommen und akzeptiert. Die Atmosphere unter den Erziehern koennte nicht angenehmer,
die willkomende Umarmung nicht waermer sein. Das Gefuehl hier Teil einer ganz anderen und einzigartigen Familie werden zu koennen schleicht sich ein und macht sich breit.

impressão do campo

 Foi no carro.
A caminho, em qualquer lugar.
Para qualquer lugar no último parte do Rio Grande.
Talvez foi dois quilômétros até Argentina.Talvez.
 Poeira na ar.
Não tem aslfalto.
Tem calor. Inverno no Brasil.

Passei umas vacas. Palmeiras.
E repetidamente nada, só a extensão da terra.
ávoreAdmirável.

a terra dos gaúchos – Rio Grande do Sul

Rio Grande do Sul ist wie ein Land fuer sich. Ein Bundesland im suedlichsten Zipfel Brasiliens, das beinahe soviel Flaeche fasst wie Deutschland, mit einer Volksgruppe, deren Nationalstolz selbst den, der patriotischen Amerikaner uebertrifft. Rio Grande do Sul ist das Land der gaúchos,  ein Land, das 1835 sogar in den Krieg gegen Brasilien zog, im Versuch die Unabhaengigkeit zu erlangen. Jener Krieg, der am 20. September begann und ganze 3466 Tage andauerte, forderte rund 4 Millionen Menschenleben. Am 28. Februar 1845, neuneinhalb Jahre nach Beginn des Krieges, waren die rebeldes farroupilhas endlich geschlagen und der Traum des unabhaengigen Staates Rio Grande do Sul zerplatzt. Un dennoch feiert das Volk der gaúchos jedes Jahr im September fuer ganze sieben Tage, waehrend der sogenannten semana farroupilha,  jenen grossartigen – wenn auch gescheiterten – 175 Jahre alten Versuch.

Doch nicht nur dieser Krieg fuellt viele Seiten im Buch der Geschichte des Staates.  Viele Jahrzehnte lang war das Land spanisch besetzt und doch gezeichnet von vielen Verteidigungskaempfen gegen ach so interessierte Portugiesen. Mittendrin im Blutbad, im Kampf um Land, Rohstoffe und Seewege, fanden sich die Guaranis,  ein uralter indianischer Volksstamm, der das Gebiet rund um den Rio Uruguai seit Jahrhunderten besiedelte, weit vor der „Entdeckung“ Brasiliens, dem Kommen der Spanier, den portugiesischen Schiffen. Aus der Anwesenheit jenen ersten Siedler heraus, ergaben sich schon bald erste spanische Missionen. Jesuiten kamen und gruendeten ganze Doerfer, machten Nomaden sesshaft, lehrten ihren Glauben, bestellten das Land, sie zogen den Guaranis den europaeischen Schuh an. Laut zahlreicher Berichte aber stand jedem frei zu entscheiden, ob er Teil sein wollte von jener neuen Art zu leben. Die Ankunft der Jesuiten, eine Chance also? Die Antwort liegt im Auge des Betrachters, denke ich.  

Was heute geblieben ist von jener Zeit, frage ich mich? Was finden wir gegenwaertig wieder, das seinen Ursprung in der Geschichte dieser Region hat? Vieles wuerde ich meinen. Rio Grande do Sul ist voll von ganz besonderen Braeuchen und das meine ich hoffentlich nicht nur, weil ich nicht von hier bin. Zu jenen komme ich ausfuehrlicher aber in einem anderen Artikel. Wichtig ist jetzt, das die Muehe, ja sicher auch das Werk, der Jesuiten mit jeder Mission vielmehr als nur Erinnerungen hinterlassen hat. Es wurde Geschichte geschrieben, zurueck in jener Zeit legte man das Fundament fuer ein heutiges Rio Grande do Sul, dessen Volk mit seiner ganz eigenen Kultur so beeindruckend einzigartig ist, wie kaum ein anderer Landstrich.    

 Und selbst wenn nach schliesslichem Sieg der Portugiesen ueber die Spanier zahlreiche Missionen zerstoert wurden, so findet sich beispielweise in San Miguel noch heute eine wundervolle Ruine einstiger Missionskirche. 

 

 

 

 

 

Jene Staette zaehlt heute zu den Weltkultuerben der UNESCO. Selbst wenn von der Kirche nur ein Bruchteil geblieben, so ist jeder Schritt durch die Ruine jenes – fuer seine Zeit (17. Jhd) -einst so grossartigen Bauwerks atemberaubend. Wer still schweigend und bewegungslos im Hauptschiff der Kirche steht, koennte meinen, der letzte Gesang vor dem Feuersturm der wuetenden Portugiesen auf das Gebaeude ist bis heute nicht voellig verflogen.

Feiern in Brasilien

Zum Abschluss unseres Orientierungscamps hier in Porto Alegre  gab es selbstverstaendlich eine grosse festa. Die vergangene erste Woche fanden – trotz Einzug bei den Gastfamilien nach vier Tagen –  jeden Tag Gruppenaktivitaeten statt, wie Vortraege ueber Land und Leute, eine Stadtrundfahrt, Gespraeche zum Klaeren offengebliebener Fragen, aber auch dringend notwendige Besuche wie beispielsweise beim Departamento de Policia Federal.

Samstagabend stand zum Abschluss einer erfolgreichen Woche dann – ganz typisch brasilianisch – festa auf dem Programm. Da sich die Clubs – hier wie in Deutschland auch (sofern sie gut sind) – nicht vor 12 Uhr fuellen, waren wir so gegen 1 im Opinião und trafen dort auf alle unsere lieben Mitfreiwilligen. Nicht nur waren wir unter uns exchangees,  nein viele hatten auch ihre Gastbrueder und -schwestern, vielleicht schon neugewonnene Freunde oder aber auch Freunde der Gastgeschwister mitgebracht.  Vorallem aber kamen wir alle mit unseren amigos brasilieiros, Volunteers unserer brasilianischen Organisation, die sich bereiterklaert haben, uns estrangeiros -besonders in den ersten Tagen hier in Porto Alegre- an die Hand zunehmen. Und so kam es, dass man viele viele neue Gesichter kennen lernen konnte und aus dem Begruessen und Kuesschen geben, aus den vielen Umarmungen und Gespraechen gar nicht mehr heraus kam. 

 Die Feieratmosphaere war toll, nicht zuletzt weil eine Live-Band gespielt hat. Von Musik aus den 80ern und 90ern, ueber aktuelle bis hin zu traditionell brasilianischer – vorallem aber gaucho (traditioneller aus unserem Bundestaat Rio Grande do Sul) – Musik  war alles vertreten. Erst der Caipirinha in meiner Hand erinnerte mich wieder und wieder daran, dass ich etwa in Brasilien feiern war und nicht irgendwo in Deutschland.

Das Leben feiern laesst sich ueberall.

 

Onde moro…

Wo ich wohne…

Seit wenigen Tagen nun wohne ich im wunderschoenen Brasilien. Ganz genau in Porto Alegre, Hauptstadt des suedlichsten  Bundestaates des Landes, Rio Grande do Sul. Von hier aus ist es fuer suedamerikanische Verhaeltnisse wirklich nicht mehr weit zum „Vierlaendereck“ Uruguai-Paraguai-Argentina-Brasil, Rund 550 km. Demnach ist auch Buenos Aires nicht mehr weit, nur 12h Busfahrt muss man wohl auf sich nehmen um die wunderbare Hauptstadt Argentiniens zu erreichen. Beides Ausfluege, die es in Erwaegung zu ziehen gilt.

 Porto Alegre selbst liegt in einer malerischen Bucht direkt am Atlantischen Ozean. Es ist eine faszinierend lebendige und vielfaeltige Stadt. Im suedlichsten Sueden Brasiliens befinde ich mich also und erlebe gerade -bei waermstem Sonnenschein, gefuehlten 22 Grad und leichtem Sonnenbrand auf den Wangen – suedhalbkugeligen Winter.

 

 

Capoeira

Gestern Abend hat uns eine Gruppe freundlicher Taenzer in die Kunst des Capoeira, eines brasilianischen Kampfsports, eingewiesen.
Capoeira ist eine urspruenglich afro-brasilianische Kunst, die sowohl Kampfsport als auch Tanz miteinander verbindet. Sie wurde im 16. Jahrhundert von afrikanischen Skalven entwickelt und fand seit jeher schnelle Verbreitung in ganz Brasilien.
In rhythmischer Bewegung zu traditionellem Gesang und selbstgemachter Musik tanzten/kaempften wir also an jenem Abend Capoeira.
Mit Haenden und Fuessen haben wir uns verstaendigt und trotz grosser Sprachbarriere auf beiden Seiten (Englisch sprechen zu koennen ist in Brasilien bei weitem nicht so gelaeufig wie in Deutschland), haben wir viel gelacht.

Brasil Brasil. Estou no Brasil. Finalmente.

angekommen in brasilien.
nach insgesamt 13 stunden flug.
nach 28 stunden on the road.

frankfurt sao paulo. sao paulo porto alegre.
ueberwaeltigt, sprachlos finde ich mich wieder.
ich bin wirklich hier.
viel gesehen habe ich erst ab dem landeanflug auf porto alegre.
von einem wundervollen fensterplatz in der business class aus 
– suuuper reisekomfort sage ich euch! –
konnte ich nur staunen ueber die stadt von oben.
mit 1,5 millionen einwohnern kann man sich die masse an wohngebaeuden und strassen sicherlich vorstellen. vorbei an wohnsiedlungen und fussballplaetzen, vorbei an villen mit pool und favelas (slumviertel) landeten wir gegen 11 am ortszeit auf dem flughafen der stadt. weiter ging es dann mit einem gemuetlichen bus zum orientierungscamp.
 
angekommen. erschoepft, muede.
ueberwaeltigt von den eindruecken. 
das portugiesisch aufsaugend wie ein schwamm 😀

 

 

 angekommen im brasilianischen (gewoehnungsbeduerftig  kalten)
winter und doch so herzlich warm empfangen.

Seminartage am Ende der Welt

Ich bin zurück vom anderen Ende der Welt.
Nicht Brasilien.
Gestern Abend habe ich den Weg zurück gefunden aus Lützensömmern,
einem kleinen Ort irgendwo in Thüringen.
Eine Woche Vorbereitungsseminar ist vorbei.
Ich erinnere mich noch zu gut an das Gefühl mit dem ich gefahren bin.
Weg wollte ich ganz und gar nicht.
Die Woche könnte ich besser nutzen, so kurz vor meiner Abreise nach Südamerika, habe ich mir gedacht. Viel besser.
Doch wie sagt man so schön, hinterher ist man immer schlauer.
Sie tat mir gut, die Seminarwoche.
Ich hatte genug Zeit einmal an nicht anderes zu denken als an mein bevorstehendes Jahr. Sicher wurden viele Themen rund um den Freiwilligendienst ausführlich behandelt. Es ging um Rassismus und Gender, Entwicklungs-und Industrieländer, den Umgang mit Konflikten und unsere Erwartungen. Der Bezug zum ganz persönlichen Auslandsjahr ging aber nicht verloren.  Ganz im Gegenteil. Immer wieder verglich ich, ganz besonders zwischendrin, automatisch mit meinem eigenen bevorstehenden Jahr.

Es war eine tolle Woche, das Vorbereitungsseminar mit rund 50 Teilnehmern und ihren Zielen in aller Welt. Ich durfte viele wundervolle Menschen kennen lernen, denen ich alles Gute wünsche für ihr ganz eigenes Austauschjahr.
Viele interessante Gespräche habe ich geführt, zahlreiche neue Eindrücke gewonnen.


Ich stecke schon mittendrin in meinem Brasilienabenteuer.
Der Austausch hat bereits begonnen, und das gerade hier, im tiefen Thüringen,
irgendwo am Ende meiner Welt.

Byebye BBQ

2 Wochen noch.
Der Abflug rückt näher und näher.
Zeit für eine Abschiedsfeier.
Und so kamen Ende Juni noch einmal viele gute Freunde zusammen.
Es wurde fleißig gegrillt, gegessen, getrunken und gelacht.
Viel schneller als mir lieb war, war der Abend dann auch schon vorbei.
Für ein paar Stunden aber (fast) alle meine Lieben beisammen zu haben war wunderbar! Vielen Dank dass ihr so zahlreich erschienen seid.
Und somit ist ein weiterer Schritt gemacht.
Ein weiteres Zelt abgerissen.
Die nächste Woche kann nun auch kommen.
Das Vorbereitungsseminar.

Final Countdown

in weniger als einem monat geht es los.
wie schnell doch die zeit vergangen ist.
es scheint als habe ich meine bewerbung erst gestern abgeschickt.
doch nun ist es schon mitte, fast ende, juli.
so gut wie alle nötigen spritzen wurden mir bereits in den arm gerammt,
von einer handvoll freunden und bekannte habe ich mich bereits verabschiedet,
mein schwarzer koffer liegt bereit.
so langsam sind alle zelte abgebaut.

eine hürde gilt es allerdings noch zu nehmen bevor der flieger geht.
mein ausreiseseminar im raum erfurt.
das kann ja heiter werden denke ich mir jetzt.
ob es so war, sehen wir dann.

was mich aber erwartet im fernen porto alegre nimmt langsam konturen an.
mein projekt steht fest. ich werde im centro social marista CESMAR, einem zentrum für jugendhilfe, mitarbeiten, das auch online auftritt (siehe infolinks, rechts)

es bleibt also spannend.
ich halte euch auf dem laufenden.

„Sein,

sein dürfen,
einfach sein dürfen,
zu mir ja sagen,
bedingungslos annehmen,
was ich bin,
wie ich bin;
annehmen,
dass manches fehlt,
und mich freuen,
dass manches wächst;
glauben,
dass ich so gewollt bin,
eigenartig,
einzigartig,
unvergleichlich.

Ich muss nicht scheinen,
darf sein,
einfach sein.
Welch ein Glück.“

Trotz der Förderung meiner Arbeit in Brasilien durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bedarf es Spenden!
1445,00 Euro … noch ein langer Weg!

Daher würde ich mich über jeden, der gewillt ist eine Summe zu spenden, von Herzen freuen. Fragt nach, gerne schicke ich euch ein Infoblatt zu!!

Thanks people!

ICJA e.V.

Den eigentlichen Austausch übernimmt in meinem Fall die Berliner Organisation ICJA e.V.  – ein Verein, der sich den internationalen kulturellen Austausch bereits seit 60 Jahren zur Aufgabe macht.  Der ICJA e.V. wird mich sowohl vor und während meines Austauschs zur Vorbereitung und Betreuung als auch im Anschluss an meine Rückkehr begleiten.
Der Verein selbst versteht sich als deutschen Zweig der internationalen Organisation ICYE (International Cultural Youth Exchange). ICYE hat Partner und Partnerkomitees in allen Teilen der Welt, ist somit also als Schirm eines weltweit kooperierenden Netzwerkes zu verstehen. Die Partnerkomitees in den jeweiligen Laendern haben wiederum Beziehungen zu nationale Organisationen, die letzenendes die Projekte zur Freiwilligenarbeit bereitstellen.

VOS in Berlin

Am vergangenen Wochenende fand in Berlin – nicht etwa schön zentral, nein vielmehr abgelegenst – das erste Vorbereitungsseminar zum bevorstehenden Austausch statt. Wir fanden uns zusammen, rund 40 motivierte Freiwillige aus allen Teilen Deutschlands, um uns auszutauschen. Auszutauschen über Dinge die uns erwarten und die wir erwarten. Völlig überrascht und beeindruckt war ich von der Vielzahl der Länder, in die es uns junge Menschen scheinbar zieht. Von der Dominikanischen Republik und Costa Rica, über Ecuador Brasilien und Bolivien bis hin zu Kenia und Indien war so vieles dabei.

Doch genau so verschieden wie die Ziele einer jeden Reise sind, waren auch die Vorstellungen der anderen Teilnehmer von ihrem Jahr im Ausland. Die Erwartungen lagen meilenweit auseinander. Die einen freuten sich über die Möglichkeit voraussichtlich zwei ganze 23kg-Koffer mitnehmen zu können und somit nicht vor der Entscheidung stehen zu müssen, nur eines der drei Paar Sportschuhe einpacken zu dürfen. Andere malten sich aus, ihr Jahr über in einer kleinen Slumhütte hocken zu müssen, ohne einen Tropfen – geschweige denn fließendes – Wasser. Wiederum andere aber saßen da und schwiegen, sich vollkommen im Klaren darüber, dass es nichts zu erwarten gibt von einem Teil der Welt – sei es Afrika, Asien oder Lateinamerika – den sie nicht kennen. Einen Teil, ein Land, ein Volk über das es sich keine Meinung zu bilden gilt, ohne selbst dort gewesen zu sein. Nicht als Tourist, nein, vielmehr als Mitbürger. Sie saßen und schwiegen, konnten sich zu gleich aber kaum auf den Stühlen halten, vor Vorfreude auf ihr persönliches Abenteuer.

Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst „weltwärts“

„Lernen durch tatkräftiges Helfen“ ist das Motto des Freiwilligendienstes vom BMZ. Weltwärts soll das Engagement für die Eine Welt nachhaltig fördern und versteht sich als Lerndienst, der jungen Menschen einen interkulturellen Austausch in Entwicklungsländern ermöglicht. Durch die Arbeit mit den Projektpartnern vor Ort in den Entwicklungsländern sollen die Freiwilligen unter anderem lernen, globale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen besser zu verstehen. Den Projektpartnern soll der Einsatz im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zugute kommen.

Weltwärts soll gegenseitige Verständigung, Achtung und Toleranz fördern: Gemeinsames Arbeiten und Lernen kennt weder Rassismus noch Ausgrenzung. Der neue Freiwilligendienst wird einen wichtigen Beitrag zur entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit leisten und den Nachwuchs im entwicklungspolitischen Berufsfeld fördern.

Die Akteure bei weltwärts

weltwärts wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und von einer Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Entsendeorganisation im partnerschaftlichen Dialog mit den Projektpartnern vor Ort durchgeführt.